LiP 2027: Language is Plural – Mehrsprachigkeit in sprachlicher Bildung feiern
‘Language is Plural’ betont, dass Sprache niemals singulär oder festgelegt ist: Menschen treten mit Sprache durch dynamische, sich überschneidende Repertoires in Kontakt und nicht durch isolierte, standardisierte Codes. Diese Repertoires beeinflussen, wie Lernende kommunizieren, lernen und teilhaben. Sprachenlernen ist demnach ein grundsätzlich mehrsprachiger Prozess: Lernende verfügen über vielfältige mehrsprachige Repertoires, die für die Aneignung einer neuen Sprache anerkannt, gezielt genutzt und systematisch gefördert werden sollen.
Aus globaler und historischer Sicht stellt Mehrsprachigkeit auf gesellschaftlicher Ebene den Normalfall dar. Gesellschaften werden aber auch zunehmend diverser und zugleich gibt es verstärkt nationalistische Tendenzen, die der Diversität in ihren unterschiedlichen Facetten (sprachlich, kulturell, sozial, genderbezogen, religiös etc.) entgegenstehen. Besonders angesichts von wachsenden sozialen Spannungen, Globalisierung, Superdiversität sowie rasch fortschreitenden Technologien und KI kommt der Sprachbildung eine zentrale gesellschaftliche Verantwortung zu.
Im Mittelpunkt der mehrsprachigen Tagung LiP 2027 steht daher die Frage, wie Sprachunterricht und sprachliche Bildung Mehrsprachigkeit stärken und einen wertschätzenden Umgang mit Diversität fördern kann, welche pädagogischen Rahmenbedingungen und institutionellen Strukturen dafür notwendig sind und wie dies auf unterschiedlichen Ebenen (Unterrichtsgestaltung, Lehrer*innenbildung, Curriculumsentwicklung, Lehr- und Lernmaterialien und Sprachenpolitik) erfolgreich und nachhaltig gestaltet werden kann. Das übergeordnete Bildungsziel ist es, sprachliche Gerechtigkeit, Bildungsgerechtigkeit und Demokratie zu stärken, indem die mehrsprachigen Repertoires der Lerner*innen anerkannt und Möglichkeiten für sinnvolle und inklusive Beteiligung geschaffen und gestärkt werden, die Teilhabe an Bildung und am sozialen und kulturellen Leben unterstützen.
Sprache ist kein neutrales Medium, sondern sozial und politisch situiert. Entsprechend ist Sprachenlernen untrennbar in Kontexte eingebettet, die durch Machtverhältnisse, Hierarchisierungen und Ungleichheit geprägt sind. Sie zeigen sich beispielsweise in Rassismen, Linguizismen, Sprachgeboten, Sprachverboten sowie im unterschiedlichen Prestige von Sprachen. Solche Machtverhältnisse und ihre Auswirkungen auf Lernprozesse und Bildungsverläufe gilt es kritisch zu reflektieren und dabei die eigene soziale, sprachliche, biographische und institutionelle Positionierung konsequent mitzudenken. Vor diesem Hintergrund wird die Aneignung neuer Sprachen zu einem stärkenden und transformativen Akt der Teilhabe und Selbstbestimmung. LiP 2027 stellt die Frage, wie Selbstermächtigung und Partizipation im Prozess der Sprachaneignung durch die Anerkennung und Nutzung sprachlicher Repertoires der Lernenden unterstützt und wie Lehr-Lernräume als offene, inklusive und emanzipatorische Räume gestaltet werden können.
Sprachenlernen eröffnet neue Möglichkeiten der Interaktion, des gegenseitigen Verständnisses und gesellschaftlicher Teilhabe, auch am demokratischen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben. LiP 2027 feiert Mehrsprachigkeit, betont ihren Wert und setzt sich für ihre Anerkennung und Stärkung ein. Die Tagung lädt Wissenschaftler*innen, Lehrende und Praktiker*innen zum Austausch von Expertise und zur Vernetzung im Bereich Mehrsprachigkeit und Spracherwerb ein. Es ist eine mehrsprachig gestaltete Tagung, auf der viele unterschiedliche Sprachen Medium der Kommunikation sind. LiP 2027 setzt sprachenpolitische Akzente und macht deutlich, dass im Sinne einer Sprachenpolitik ‘von unten’ alle an Bildungsprozessen Beteiligten als sprachenpolitische Akteur*innen handeln können, um Mehrsprachigkeit und gerechte sprachliche Bildung zu stärken.
Tagungsort
Universität Wien
Universitätsring 1
1010 Wien